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Sollte Gesundheitskompetenz eine Pflichtdisziplin in der Führungskräfteentwicklung sein, Herr Professor Pfaff?

gesundheitskompetent 22. Februar 2016 0


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Bild: Rawpixel.com / Fotolia

Professor Michael Knörzer, Leiter des Center of Expertise der APRIORI business solutions AG, im Gespräch mit Professor Holger Pfaff, Direktor des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Universität zu Köln, über die Gesundheitsk0mpetenz als Pflichtdisziplin  in der Führungskräfteentwicklung

Herr Professor Pfaff, Sie leiten aktuell ein Forschungsprojekt zum Thema “Promoting the health literacy of managers”. Der Projekttitel erweckt den Eindruck, als gäbe es Verbesserungsbedarfe in Hinblick auf die Gesundheitskompetenz von Führungskräften. Ist dem tatsächlich so? Nun, zumindest ist das Thema bisher noch nicht richtig beforscht. Es gibt jedenfalls noch keine verlässlichen Daten, ob und inwiefern Gesundheitskompetenz bei Managern tatsächlich vorhanden ist. Wichtig ist vor allem eine Gesundheitskompetenz, die ein Selbstmanagement ermöglicht. Nehmen Sie das Beispiel des Zwischenfalls mit dem BMW-Vorstandsvorsitzenden Krüger auf der IAA in Frankfurt. Hier hat sich gezeigt, dass Manager sich manchmal zu viel zumuten. Nun müssen Führungskräfte nicht nur auf die eigene, sondern auch auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten. In den bisherigen Forschungen haben wir herausgefunden, dass bei Rückkehrgesprächen mit Mitarbeitern die Führungskräfte oftmals nicht wussten, wie Gesundheit entsteht, da Ihnen das Grundlagenwissen dafür fehlte. Und wenn sie das nicht wissen, können sie ihre Mitarbeiter nicht beraten … und sich selbst auch nicht. Also: allein die Vermittlung von einfachem Gesundheitswissen würde helfen, die richtigen Punkte in Angriff zu nehmen. Das wäre der erste Ansatzpunkt in Hinblick auf Gesundheitskompetenz. Da besteht aus unserer Sicht klarer Verbesserungsbedarf.

Der Untertitel des Projekt lautet: „An evidence-based training program“. Welche konkreten Ergebnisse erwarten Sie am Ende des Forschungsprojekts? Wie könnte so ein Trainingsprogramm aussehen? Uns interessieren zwei Punkte. Erstens: Wie Sie bereits gesagt haben, wie muss ein potenziell wirksames Programm aussehen? Und zweitens: Ist das Programm wirklich wirksam? Der genaue Inhalt des Programms wird gerade erforscht. Wir gehen da zunächst über Experteninterviews ran. Ausgehend von diesen und den Besonderheiten der Betriebe versuchen wir, einen standardisierten Teil des Programms zu entwickeln und ein spezielles Teilmodul, das auf die Unternehmensspezifika eingeht. Unser Ziel ist es, ein evidenzbasiertes Konzept zur Gesundheitsförderung zu entwickeln. In Amerika hat evidenzbasiertes Management (EBM) bereits eine längere Tradition. Ja, ich war gerade auf einem amerikanischen Managementkongress, wo sich wieder einmal gezeigt hat, dass dort EBM eine viel längere Tradition hat. In diese Richtung geht es nun auch bei uns: Nicht nur ein Trainingsprogramm auflegen, sondern auch das Programm evaluieren. Wir versuchen daher konsequent, evidenzbasiertes Management auf Personalentwicklung und Gesundheitsförderung zu übertragen. Und natürlich versuchen wir auch, neuere Entwicklungen und Techniken zu integrieren. Daher stellen wir beispielsweise Überlegungen an, wie man durch Wearables die Selbstmanagementkompetenz von Führungskräften erhöhen kann.

Was könnten weitere Beispiele für moderne Ansätze sein?

Kooperation und Zusammenarbeit unter Business Team mit vielen gestapelten Händen

Webinare könnten eine Möglichkeit sein. Diese aber eher im Sinne eines Auffrischungsseminars. Die Erfahrungsberichte, die uns vorliegen zeigen, dass Präsenzveranstaltungen unverzichtbar sind. Den jüngeren Jahrgängen – oft als Generation Y bezeichnet – wird unterstellt, dass sie von alleine eine ausgewogenere „Work-Life-Balance“ anstreben und deutlich gesundheitsbewusster sind als viele der aktuellen Manager aus der älteren Generation X. Wie wird sich das auswirken, wenn der Managementnachwuchs mit dieser veränderten Arbeitseinstellung nach und nach in die Positionen mit Personalverantwortung hineinwächst? Ich kann dazu nur Vermutungen anstellen, aber es sieht so aus, als würde sich da tatsächlich etwas ändern. Ich bin insgesamt schon davon überzeugt, dass da eine gesundheitsbewusstere Generation kommt. Man erkennt dies auch daran, dass immer mehr Unternehmen Gesundheitsmanagement nicht mehr nur unter dem Aspekt Gesundheitsförderung sehen, sondern ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern wollen. Da spielt das Thema Gesundheit auf der Imageebene eine große Rolle. Wenn wir bei dem Beispiel Selbstvermessung des Körpers durch Wearables bleiben, wird durch den Umgang der neuen Generation mit diesen Technologien allein schon die Gesundheitskompetenz steigen.

Wo liegen denn die Gefahren neuer Technologien?
Man muss darauf achten, dass diese wiederum nicht in einen neuen Leistungsstress ausarten. Sich permanent mit dem Smartphone oder anderen Wearables selbst zu vermessen, baut ja einen weiteren Druck auf, mit dem man umgehen muss. Selbstmanagement muss auch in die Richtung gehen: „Jetzt entschleunige ich mal!“

Sollte Gesundheitskompetenz fester Bestandteil des Curriculums managementorientierter Studiengänge, insbesondere BWL, an Hochschulen werden? Oder ist das Thema eher für die Führungskräfteentwicklung im Unternehmen geeignet?

Business Team baut Stapel aus Fäusten zur Motivation im Büro

Wenn Sie erst einmal in den Mühlen des Alltagsgeschäfts sind, ist es schwer noch nachzusteuern. Deshalb muss ein Fach wie Gesundheitskompetenz aus meiner Sicht unbedingt ins Curriculum eines Managementstudiengangs hinein, damit ein Grundstein gelegt ist. Insofern ist es kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Damit die Führungskräfte sagen: „Ich hab’s an der Hochschule gehört, mir ist die Bedeutung klar“. Und wenn dann die Fortbildung angeboten wird, kommt als Reaktion: „Das finde ich gut. Da gehe ich jetzt hin.“ Genau das wäre aus meiner Sicht ein weiterer Teil von Gesundheitskompetenz, nämlich die Bereitschaft, sich in dieser Hinsicht weiterzubilden. Insofern haben Sie vollkommen Recht mit ihrer Idee: Gesundheitskompetenz muss in das Curriculum von Managementstudiengängen rein.

Herr Prof. Pfaff, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch. Zum Abschluss. Aus Ihrer ‚neutralen‘ Sicht des Soziologen: Ist es leichter Mediziner für Managementkompetenz zu sensibilisieren oder Manager für Gesundheitskompetenz zu begeistern?
Das ist eine interessante Frage. Ich schätze, es ist fast leichter, Manager für Gesundheitskompetenz zu begeistern. Das sollte in ihrem eigenen Interesse liegen.

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