Apple: Konzern? Nein! Das größte Startup der Welt!

Autor: Sofia Dobbertin

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Allgemein

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Apple

„Wir sind das größte Startup unseres Planeten.“ In einem Fernsehinterview plauderte der 2011 verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs über die Personalführung bei Apple und erwähnte in einem Nebensatz lapidar, was Wirtschafts-Experten heute den CEO’s dieser Welt inzwischen gebetsmühlenartig predigen: Großunternehmen lernt von Startups!

Rund 40 Jahre ist es her, als sich zwei engagierte Nerds praktisch rund um die Uhr in einer Garage verbarrikadierten. Schlafen, Essen, Trinken wurden zur Nebensache. Was zählte, war die gemeinsame Idee. Die Garage gehörte den Eltern von keinem geringeren als dem einstigen Apple-CEO Steve Jobs, der dort mit Co-Founder Steve Wozniak an dem „Apple 1“ pfrimelte und damit den Grundstein für eine unnachahmliche Erfolgsgeschichte legte.

Begeisterung ist der Grundstein für Innovation

Der Rest ist Geschichte. Heute zählt der Computerhersteller mit Sitz im kalifornischen Cupertino zu den größten internationalen Unternehmen. Laut der Liste „Financial Times Global 500“ ist Apple seit September 2011 mit kurzen Unterbrechungen das wertvollste Unternehmen der Welt.

Vieles hat sich unter dem inzwischen so berühmten Label des angebissenen Apfels getan. Eines scheint sich aber über lange Zeit nicht verändert zu haben: Die Erinnerung an das Gefühl, wie es ist, in einem innovationshungrigen Startup zu arbeiten. Und offenkundig tat Jobs seinerzeit viel dafür, eben jenen „Spirit“ auch im Großkonzern am Leben zu halten.

Was unterscheidet ein Startup vom Großkonzern wie Apple 

Aber was genau unterscheidet Startup und Großkonzern? Und: Lassen sich die Strukturen mit zunehmenden Wachstum tatsächlich beibehalten? Steve Jobs zumindest war bis kurz vor seinem Tod davon überzeugt, genau das geschafft zu haben. „We have a weekly three-hour meeting to discuss everything we are doing in the business“, erzählte er. „Teamwork is based on trusting others, trusting others to do their part without supervision. And our people have to choose the best ideas, even if they are not the boss’s. If not, the best workers would not want to stay.“

Damit brachte Jobs das Erfolgs-Geheimnis vieler Startups auf den Punkt:

  • Da ist dieses unvergleichliche Zusammengehörigkeitsgefühl.
  • Jeder ist für jeden jederzeit ansprechbar.
  • Der Austausch findet auf Augenhöhe statt.
  • Hierarchiedenken gibt es nicht.

Denn: Alle fühlen sich der gemeinsamen Idee und Vision verpflichtet. Und das sorgt wiederum für eine überdurchschnittliche Motivation und Produktivität.

Apple-Gründer Jobs: Die Energie im Startup ist unvergleichlich 

Etablierte Unternehmen beobachten die kleinen Wettbewerber daher schon länger aus den Augenwinkeln – mit wachsendem Interesse. Warum? Das ist schnell erklärt: Startups müssen immer am Puls der Zeit sein, schnell auf Veränderungen am Markt reagieren und sich weiterentwickeln, sonst würden sie nicht lange überleben.

Treiber dieser Veränderungen waren in der Vergangenheit die Großen, die mit ihren Innovationen den Takt vorgaben. Doch die einstigen Treiber werden in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung zunehmend selbst zu den Getriebenen: Der Konkurrenzdruck aus dem Mittleren und Fernen Osten steigt.

Und so sind die etablieren Unternehmen gezwungen, ihre Strukturen und Vorgehensweisen zu überdenken, zugunsten schnellerer Entscheidungswege und einer höheren InnovationsdichteAgilität ist Trumpf.

Der Erfolg gründet in einer Reihenhaus-Garage 

Genauso wie damals in der Garage von Steve Jobs Eltern – auch hier war der Weg zum Erfolg mit Niederschlägen gepflastert. Gleichzeitig waren aber genau diese auch der Motor für Denkprozesse, die sonst nie in Gang gekommen wären. Heraus kam ein Produkt, das die anfänglichen Erwartungen übertraf.

Wie das bei den Big Playern dieser Welt gelingen kann? Ein spannender Ansatz kommt beispielsweise aus dem Bereich der Gamification. Der Hintergedanke ist leicht nachzuvollziehen: Ob vor dem Computer, am Brettspiel oder im Hobbykeller – in unserer Freizeit daddeln, zocken und tüfteln wir wie die Weltmeister.

Versuchen und Scheitern gehört hier ganz selbstverständlich dazu. Auf der Arbeit haben solche „Kindereien“ dagegen nichts verloren. Fatal! Denn in Konzernen würden solche Spielelemente durchaus für ein Plus an Innovationen sorgen – da sind sich Experten sicher.

Gamification: Versuchen und scheitern, versuchen und scheitern… 

Einer der Ansätze: In einem virtuellen Raum können Mitarbeiter Ideen einstellen und von Kollegen bewerten und weiterentwickeln lassen. Ein Score-System sorgt für den spielerischen Anreiz. So entsteht nach und nach eine „Ideenbank“, auf die alle Angestellte Zugriff haben. Jeder „Teilnehmer“ kann theoretisch den Vorschlag eines anderen weiter bearbeiten. Das beste Konzept „gewinnt“.

Ein Ansatz, der den Worten des ehemaligen Apple-Chefs Jobs doch recht nahe kommt. Wir erinnern uns: „Jeder darf mitreden und Verbesserungsvorschläge äußern“, sagte der frei übersetzt. Anmerkung: Auch wenn es die Idee des Chefs ist, die da zur Debatte steht.

Personalbeschaffung: Groß kann von klein lernen 

Auch bei der Personalbeschaffung können sich die Großen einiges von den Kleinen abgucken. Zugegeben: Startups können als Arbeitgeber nicht mit großen Incentives punkten oder dem dicken Gehalt. Und dennoch haben sie stichhaltige Argumente, mit denen sie Bewerber überzeugen:

  • Eine Geschäftsidee, die anders ist als das, was der Markt bislang hergab.
  • Familiäre Teamstrukturen und Zusammenhalt.

Und tatsächlich belegen Studien, dass der schnöde Mammon nicht unbedingt der ausschlagegebende Punkt ist, sich für einen Job zu entscheiden. Stattdessen wiegen flache Hierarchien, eine gute Unternehmenskultur und Flexibilität oftmals schwerer.

Konzerne: Zeigt mehr Profil!

Insofern sei den Großen am Markt geraten: Lasst eure auf „Hochglanz polierten“ Slogans beiseite und schärft Euer Arbeitgeberprofil, indem Ihr mehr Gesicht zeigt. Zum Beispiel, indem Ihr Eure Mitarbeiter sprechen lasst – in FirmenvideosStellenanzeigenMitarbeiter Blogs oder auch in speziellen Talentcommunities, in denen sich interessierte Bewerber mit den Vertretern einer Fachabteilung auseinandersetzen können:

  • Was macht die tägliche Arbeit im Unternehmen aus?
  • Wie ist die Kultur?
  • Was motiviert die Leute vor Ort?

Was ein Startup im Vergleich zum Konzern außerdem auszeichnet, ist die Nähe zum Kunden: Nicht selten sitzt der Chef persönlich am Verhandlungstisch oder greift zum Telefon, um Fragen zu beantworten. Das ist von entscheidendem Vorteil: Denn die Geschäftsleitung erfährt somit hautnah, wo der Schuh bei den Produkten, Dienstleistungen oder Services drückt. Wie weit sind die Großen davon mit ihren Telefoncentern doch entfernt!

Größere Nähe zum Kunden aufbauen

Doch auch hier gibt es Möglichkeiten. So ist mancher Konzern auf den Geschmack gekommen und führt inzwischen gezielte Probleminterviews mit Kunden, bei denen existierenden Hindernisse, Probleme und Wünsche der Nutzer im Nachgang konkret eruiert und validiert werden. Mit Lösungsinterviews werden mögliche Lösungsansätze getestet. Die Nutzer können auf diese Weise auch bei den Big Playern als „Problemlöser“ an Bord geholt werden.

Aber machen wir uns nichts vor: Startup und Konzern sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das werden sie auch bleiben. Voneinander lernen kann aber dennoch gelingen. Aber nur, wenn Abläufe, die im Kleinen klappen, abstrahiert werden und auf die Strukturen der Großen angepasst werden. Die aufgeführten Beispiele sprechen hier eine klare Sprache. Und dann kann gelingen, was der verstorbene Apple-Kopf Jobs als das eigentliche Geheimnis seines Erfolgs definierte:

„The only way to do great work is to love what you do…“

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