Die dritte Belegschaft: Warum KI-Agenten die Personalarchitektur der Unternehmen neu zeichnen

Autor: Michael Knörzer

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Allgemein, Neue Arbeitswelten, News & Insights, Whitepaper

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42 Prozent der Unternehmen setzen KI-Agenten bereits produktiv ein – eine Vervierfachung binnen eines Jahres, dokumentiert KPMG. Über 40 Prozent aller Agentic-AI-Projekte werden bis 2027 wieder eingestellt, prognostiziert Gartner. 40 Prozent der Belegschaft müssen innerhalb von drei Jahren umgeschult werden, beziffert IBM. Unser neues APRIORI HR:LAB Whitepaper dokumentiert die tiefgreifendste Veränderung der Personalarchitektur seit Jahrzehnten. 42 Prozent der Unternehmen setzen KI-Agenten bereits produktiv ein. Über 40 Prozent aller Agentic-AI-Projekte werden bis 2027 wieder eingestellt. 40 Prozent der Belegschaft müssen binnen drei Jahren umgeschult werden. Drei Zahlen, ein Befund – und eine Frage, die jede HR-Abteilung 2026 beantworten muss: Was bedeutet der Einzug autonomer KI-Agenten für die Architektur der Belegschaft? Unser neues APRIORI HR:LAB Whitepaper gibt die Antwort. Sie verlangt ein Umdenken. Für die Studie „Die dritte Belegschaft – Wie sich die Personalarchitektur durch KI-Agenten verändert“ haben wir im APRIORI HR:LAB mehr als ein Dutzend aktuelle internationale Untersuchungen von Gartner, McKinsey, Deloitte, PwC, KPMG, IBM, Capgemini, MIT Sloan, BCG, Harvard Business Review, World Economic Forum, Bitkom und dem IAB ausgewertet – und mit zwei bewährten APRIORI-Modellen verknüpft: der Karrierepyramide (Dalton/Thompson/Price 1977, APRIORI 2013) und dem Kern-/Randbelegschafts-Modell (Lepak/Snell 1999, APRIORI 2020). Das Ergebnis auf 14 Seiten ist kein Technologie-Ausblick, sondern ein operatives Lagebild für alle, die Personalstrategie verantworten – Personalleiter, Fachbereichsleiter, HR-Strategen und Top-Führungskräfte gleichermaßen.

KI-Agenten sind keine Werkzeuge – sie sind digitale Arbeitskraft

Ein klassisches Software-Werkzeug wartet auf eine Eingabe und liefert eine Ausgabe. Ein KI-Agent hingegen setzt Ziele, plant Schritte, ruft Werkzeuge auf, trifft Entscheidungen – und greift dabei direkter in Geschäftsprozesse ein als mancher Junior-Mitarbeiter in seinen ersten Monaten. Die Dynamik ist bemerkenswert: Laut Gartner werden bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Enterprise-Applikationen aufgabenspezifische KI-Agenten enthalten – gegenüber weniger als 5 Prozent im Vorjahr. Parallel dazu skalieren 23 Prozent der von McKinsey befragten Unternehmen Agentic AI bereits im operativen Betrieb, weitere 39 Prozent experimentieren aktiv. In Deutschland hat sich die KI-Nutzung in Unternehmen nach Bitkom-Erhebung auf 36 Prozent nahezu verdoppelt.

„KI-Agenten verändern nicht nur, was wir arbeiten – sie verändern, wer arbeitet. Und damit die gesamte Architektur der Belegschaft. Wer 2026 noch klassisch in Kern- und Randbelegschaft denkt, übersieht den entscheidenden dritten Akteur.“

Die praktische Konsequenz: Neben festangestellten Mitarbeitern (Kernbelegschaft) und externen Ressourcen wie Freelancern, Beratern oder Arbeitnehmerüberlassung (Randbelegschaft) entsteht eine dritte Kategorie – die digitale Belegschaft aus KI-Agenten. Sie muss strukturiert, gesteuert, vergütet und weitergebildet werden wie Arbeitskraft, nicht verwaltet wie Software. Daraus folgen neue Anforderungen an Organisation, Governance, Führung und Workforce Planning.

Die Karrierepyramide unter Druck – von unten

1977 beschrieben Dalton, Thompson und Price die Karriere in vier Stufen, vom Berufseinsteiger bis zur strategischen Führungskraft. APRIORI hat dieses Modell 2013 für den IT-Arbeitsmarkt adaptiert. 2026 steht die Pyramide unter Druck – aber nicht gleichmäßig. KI-Agenten dringen in jede Ebene ein, mit sehr unterschiedlicher Wirkung.

Stufe 1 – Die Basis wird ausgedünnt

Klassisch war die erste Karrierestufe der Ort des Lernens durch Tun: Dateneingabe, Recherche, Standardprozesse, Dokumentation. Genau diese Aufgaben übernehmen KI-Agenten heute am effizientesten. Die BCG/MIT-Sloan-Studie beziffert: 29 Prozent der Unternehmen mit umfangreicher KI-Agent-Adoption erwarten weniger Einstiegspositionen. Execution-Level-Jobs entfallen zuerst. Der Berufseinstieg verändert sich fundamental – von Learning by Doing zu dem, was wir Learning by Orchestrating nennen: Berufseinsteiger lernen nicht mehr, indem sie Aufgaben selbst ausführen, sondern indem sie KI-Agenten anleiten, Ergebnisse bewerten und korrigieren.

Stufe 2 – Die Mitte transformiert sich

Am stärksten unter Druck steht die Fachlaufbahn. KI-Agenten analysieren, programmieren, dokumentieren und prüfen – genau jene Tätigkeiten, die das Rückgrat fachlicher Spezialisierung bilden. Das IAB zeigt: Die höchsten Automatisierungspotenziale durch KI liegen ausgerechnet bei Hochqualifizierten. Ein fundamentaler Unterschied zur bisherigen Automatisierung, die vor allem manuelle Routine betraf. Die Projektlaufbahn gerät teilweise unter Druck: Reporting, Tracking und Ressourcenplanung lassen sich zunehmend automatisieren. Die koordinative Kernkompetenz – Stakeholder führen, organisatorische Komplexität navigieren – bleibt menschlich, aber der administrative Anteil schrumpft erheblich.

Stufe 3 und 4 – Die Spitze wird aufgewertet

Am wenigsten betroffen, aber zugleich komplexer wird die Führungslaufbahn. Führung bleibt menschlich. Doch die Anforderungen steigen: Wer künftig führt, muss hybride Teams aus Menschen und KI-Agenten orchestrieren – eine Kompetenz, die in keinem klassischen Leadership-Programm vermittelt wird. Eine neue Rolle entsteht: der Agent Manager – eine Führungskraft, die menschliche und digitale Arbeitskraft integriert steuert. Die Harvard Business Review hat diesen Rollentypus 2025/2026 als eines der wichtigsten neuen Berufsbilder identifiziert.

Kern- und Randbelegschaft werden dreidimensional

Die 4-Felder-Matrix der APRIORI Adaptive-Workforces-Studie auf Basis der „HR Architecture“ nach Lepak & Snell (1999) bekommt eine neue Dimension. Die klassische Frage pro Quadrant – „Gehört diese Aufgabe zur Kern- oder zur Randbelegschaft?“ – wird ergänzt: „Welcher Anteil dieser Arbeit kann von KI-Agenten übernommen werden?“ Daraus entsteht eine neue Welt C – die Performance-Partnerschaft. Während Welt A (transaktional) den Mitarbeiter als austauschbare Ressource und Welt B (relational) als lebenslangen Partner versteht, ist er in Welt C produktivitätsbasierter Wertschöpfungspartner. Unternehmen investieren in weniger, aber höher qualifizierte Mitarbeiter, die über variable Vergütungsanteile am Wertschöpfungsgewinn partizipieren, der durch die Zusammenarbeit mit KI-Agenten entsteht. Die Logik dahinter ist einfach: Wer durch geschickte Orchestrierung die dreifache Produktivität erzielt, sollte daran beteiligt werden – und das Unternehmen profitiert dennoch überproportional.

„29 Prozent der Unternehmen mit umfangreicher KI-Agent-Adoption erwarten weniger Einstiegspositionen. Gleichzeitig operieren 89 Prozent der Organisationen noch nach industriellen Betriebsmodellen. Die Lücke zwischen Technologie und Organisation ist die eigentliche Herausforderung der kommenden 24 Monate.“

Die Übergangsphase: Paradoxe Gleichzeitigkeit

Was bedeutet das konkret für 2026? Eine paradoxe Phase, in der sich die Gewichte in beide Richtungen verschieben. Die Kernbelegschaft wird vorsichtiger aufgebaut – kleiner, aber strategischer. Unternehmen zögern, Festanstellungen für Aufgaben zu schaffen, die in 18 Monaten möglicherweise von KI-Agenten übernommen werden. Zugleich wächst die Randbelegschaft: Interim-Manager, Freelancer und ANÜ-Kräfte dienen als Brücke über die technologische Unsicherheit hinweg. Die Datenlage zeichnet ein ernüchterndes Bild der Übergangsphase: Nur 11 Prozent der Unternehmen setzen KI-Agenten tatsächlich produktiv ein. Über 40 Prozent der laufenden Agentic-AI-Projekte werden laut Gartner bis 2027 wieder eingestellt. 72 Prozent der befragten CIOs berichten, ihre KI-Investitionen erreichten bestenfalls den Break-even. 89 Prozent der Organisationen operieren nach Industriemodellen, die für autonome digitale Arbeitskraft nicht ausgelegt sind. Der Umschulungsbedarf hat den Charakter eines Generationenprojekts: IBM beziffert ihn auf 40 Prozent der Belegschaft innerhalb von drei Jahren. Branchenanalysen zeigen, dass KI-Budgets bis 2026 auf rund 5 Prozent des Jahresbudgets steigen – zusätzlich zu den Personalkosten für die Brücken-Belegschaft. Die Übergangsphase ist nicht billig. Und sie ist nicht kurz.

Was jetzt zu tun ist

Das Whitepaper schließt mit sieben konkreten Handlungsempfehlungen für HR-Strategen und Top-Führungskräfte. Drei Kerngedanken daraus: Die Belegschaftsstrategie muss aktiv neu gedacht werden. Das Verhältnis von Kern-, Rand- und digitaler Belegschaft muss geplant werden – nicht abgewartet, bis der Markt es erzwingt. Zwei Drittel der von PwC befragten Führungskräfte erwarten, dass KI-Agenten bestehende Rollen innerhalb von zwölf Monaten drastisch verändern. Wer erst reagiert, wenn Rollen verschwinden, reagiert zu spät. Die Pyramide braucht ein neues Profil für Stufe 1: weg von Routinearbeit, hin zu KI-Orchestrierung. Die Frage „Kann dieser Mitarbeiter hybride Teams aus Menschen und KI führen?“ wird zum zentralen Kriterium der Beförderungsentscheidung. Wer diese Kompetenz nicht früh aufbaut, wird sie später vom Markt nicht bekommen. Governance und Kulturwandel gehören parallel geplant. KI-Agenten haften nicht. Ohne klare Governance drohen erhebliche Sicherheitsrisiken – Gartner rechnet damit, dass bis 2028 ein Viertel aller Enterprise Security Breaches auf KI-Agenten zurückgeht. Parallel entscheidet der kulturelle Wandel – von „KI bedroht uns“ zu „KI arbeitet mit uns“ – über Erfolg oder Misserfolg. Capgemini zeigt: 71 Prozent der Führungskräfte können KI-Agenten noch nicht vollständig vertrauen. Das ist ein Indikator dafür, wie weit der Weg noch ist. Für unsere tägliche Beratungspraxis in ITSAPEngineering und Life Sciences bedeutet das: Die klassische Rollenbeschreibung reicht nicht mehr. Gefragt sind Kandidaten, die menschliche Urteilskraft mit KI-Orchestrierung verbinden – und Personalberater, die diese neue Kompetenzkombination erkennen und passgenau zuordnen können. Ob bei Festanstellung, Contracting oder Arbeitnehmerüberlassung: Die Architektur der Belegschaft wird zur strategischen Kernentscheidung. (Siehe dazu auch unser vorheriges Whitepaper: Arbeitsmarkt im Umbruch: Warum die KI-Euphorie den Fachkräftemangel nicht löst.) Kostenloses Whitepaper herunterladen: „Die dritte Belegschaft – Wie sich die Personalarchitektur durch KI-Agenten verändert“ – 14 Seiten, über ein Dutzend ausgewertete Studien, konkrete Handlungsempfehlungen für HR-Strategen und Top-Führungskräfte.

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Quellenhinweise: Gartner (2025/2026): AI Agent Predictions, CIO Survey, Strategic Predictions. McKinsey (2025): The State of AI – Agents, Innovation, and Transformation. Deloitte (2026): Tech Trends 2026 – The Agentic Reality Check. PwC (2025): AI Agent Survey. KPMG (2025): AI Quarterly Pulse Survey. IBM (2025): Agentic AI’s Strategic Ascent. Capgemini (2025): Rise of Agentic AI. MIT Sloan / BCG (2025): The Emerging Agentic Enterprise. Harvard Business Review (2025/2026): Agentic AI & Agent Managers. World Economic Forum (2025): Future of Jobs Report. Bitkom (2025): KI in Deutschland. IAB/BIBB/GWS (2025): KI-Potenziale für den deutschen Arbeitsmarkt. Dalton, G. W., Thompson, P. H., & Price, R. L. (1977): The four stages of professional careers – A new look at performance by professionals. Organizational Dynamics, 6(1), 19–42. Lepak, D. P., & Snell, S. A. (1999): The human resource architecture: Toward a theory of human capital allocation and development. Academy of Management Review, 24(1), 31–48. APRIORI: Karrieremodelle in der IT (2013) | Adaptive Workforces (2020).

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