Personalberatung: Berufsstart beim Dienstleister

Autor: Sofia Dobbertin

Veröffentlicht: Zuletzt aktualisiert:

Alles zur Personalberatung, Allgemein, Personal & Führung

4 Min. Lesezeit
Personalberatung: Berufsstart beim Dienstleister

Kaum ist die Bachelor Thesis verteidigt, hält das Leben die nächste Prüfung parat: Die Suche nach einem Job. Das ist insofern eine Herausforderung, weil sich Hochqualifizierte heute einem Überangebot an Vakanzen gegenübersehen. Wie soll man da die richtige Entscheidung treffen? Jan stand vor dem gleichen Problem. Nach langer Suche arbeitet er heute bei einer Personalberatung und ist nach eigener Aussage „rundum zufrieden“.

Personalberatung: Bei Anruf Job

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Personalberater Jan. Er redet nicht lange um den heißen Brei und unterbreitet dem angerufenen Talent ein Jobangebot. Er geht schnellsachlich und zielstrebig vor. Denn er hat den Gesprächspartner am Arbeitsplatz kontaktiert und will ihn nicht lange stören.

Gleichzeitig will er den Angerufenen nicht in Verlegenheit bringen und stellt nur Fragen, auf die dieser mit „Ja“ oder „Nein“ antworten kann. So bekommen dessen Kollegen nicht mit, dass es um einen potenziellen Jobwechsel geht. Um einen Folgetermin auszumachen, benötigt es die richtigen Argumente, eine aufgeschlossene und vertrauenserweckende Art und Respekt vor einem „Nein“.

Vermittlung von Fach- und Führungskräften 

Genau dieser Nervenkitzel und diese Präzision, die er an den Tag legen muss, reizt Jan in seinem Alltag als Personalberater. Er vermittelt Fach- und Führungskräfte an hochkarätige Arbeitgeber aus den Bereichen IT, Engineering und Life Sciences. Gerade in diesen leer gefischten Bereichen des Arbeitsmarktes wird es für Unternehmen immer schwieriger High Potentials zu rekrutieren.

Der klassische Weg über das Ausschreiben einer Stellenanzeige entpuppt sich für Arbeitgeber zunehmend als Sackgasse. Daher schalten immer mehr Firmen Personalberater ein. Diese haben Hochkonjunktur und sind daher selbst auf dem Arbeitsmarkt eine stark nachgefragte Arbeitnehmer-Spezies. Der 25-jährige BWL-Absolvent Jan nutzte diese Chance. Doch der Weg in die Personalberatung war für ihn nicht leicht. Nicht, weil er für ihn nicht infrage kam, sondern, weil er über den Bereich zu wenig wusste.

Weg in die Personalberatung

Übrigens: Jan ist nicht echt. Er steht stellvertretend für viele junge Absolventen verschiedenster Fachrichtungen, die sich nach dem Studium fragen: Was kommt jetzt? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Denn nur die wenigsten Studienfächer qualifizieren für einen konkreten Beruf und so gibt es eine Vielzahl an Jobangeboten, die infrage kommen.

So erging es auch Jan. Die klassischen Betätigungsfelder für einen BWL-Absolventen reizten ihn nicht wirklich. Vor allem wegen der oftmals verkrusteten Hierarchien, die hier bestehen. Er wollte sich nicht in einer Bank über Jahre und Jahrzehnte hinweg von unten nach oben entwickeln und zunächst Routinetätigkeiten abarbeiten, bis er nach und nach verantwortungsvollere Aufgaben bekommen würde. Er wollte direkt in die Vollen gehen, direkt Ergebnisse erzielen und gefordert werden. Und bei guten Leistungen schnell Karriere machen.

Direkte Übernahme von Verantwortung

„Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, für einen Arbeitgeber zunächst über Jahre hinweg Zahlenkolonnen auszuwerten und zweitklassige Analysen zu verfassen, bis ich an die herausfordernden Fälle komme. Ich suchte nach einem völlig anderen Arbeitsumfeld, konnte aber nicht genau in Worte fassen, nach welchem“, sagt Jan rückblickend.

Also durchforstete er tage-, wochen- und monatelang Stellenangebote, checkte Karriereseiten, sah sich Social Media Auftritte von Arbeitgebern an und las sich die Inhalte auf Arbeitgeberbewertungsportalen durch. Jan zweifelte schon an der eigenen Erwartungshaltung, als er auf das Angebot eines Dienstleisters stieß – einer Personalberatung.

Stellenanzeige einer Personalberatung

„Wir sind auf der Suche nach ambitionierten, ehrgeizigen und leistungsorientierten Nachwuchskräften für unser junges Team“, stand auf dessen Karriereseite. „Dich erwartet ein familiäres Umfeld in kleinen Teams, in die Du von Beginn an vollständig integriert wirst. Bei uns arbeitest Du nach dem Prinzip des 360° Recruitings, bei dem Du den gesamten Prozess von der Akquise der Klienten bis zur Suche nach den passenden Kandidaten eigenständig übernimmst. Für Dich bedeutet das eine schnelle Übernahme von Verantwortung und ein großes Erfolgspotenzial, aber auch einen stressigen, herausfordernden und zeitintensiven Arbeitsalltag.“

Bingo! Seit einem Jahr steht er bei dem Dienstleister in Lohn und Brot und ist Feuer und Flamme. „Ich konnte direkt eigene Projekte übernehmen und habe vielversprechende Karrierechancen. Was mich reizt: Ich steige dann auf, wenn meine Arbeitgeber sehen, dass ich inhaltlich soweit bin und nicht, weil ich eine bestimmte Anzahl an Jahren in der Firma abgesessen habe.“

Personalberatungsszene: Hoher Anspruch 

Dass in der Personalberatungsszene viel gefordert wird, ist kein Geheimnis. Schließlich geht darum, den Kunden den bestmöglichen Service zu bieten. Das setzt Motivation bis unter die Haarspitzen voraus, die Bereitschaft, nicht auf die Uhr zu schauen, stressresistent zu sein und gerade dann richtig aufzudrehen, wenn der Druck am größten ist. Ausgeglichen wird das vor allem mit einem überdurchschnittlichen Gehalt und einem guten Teamzusammenhalt.

„Für manchen ist das nichts, mich spornt genau das an“, sagt Jan. „Viele meiner Kollegen sind Leistungssportler, auch ich trainiere regelmäßig für den Marathon. Wir sind also alle Leute, die sehr diszipliniert sind und die ihre Grenzen kennen, aber im Zweifel nochmal den letzten Rest an Energie aus sich herausholen können, um es über die Zielgerade zu schaffen. Im Sport wie beruflich.“ Wichtig sei nicht, welches Fach man studiert habe, sondern, ob man für seinen Job brenne.

Für Jan steht daher fest: Wer der richtige Typ für die Personalberatung ist, wird die herausfordernden Bedingungen nicht als Trübung der eigenen Work Life Balance empfinden. „Im Gegenteil – er blüht auf“, lacht Jan. „So wie ich!“

  • „Slow to hire, quick to fire“ (Teil 2): Bruchlinien von der Post-Corona- zur Pre-KI-Welt des Personalmanagements

    In verschiedenen Blogs hatten wir uns mit den seit ca. 1,5 Jahren zu beobachtenden Veränderungen am Arbeitsmarkt und im ersten Teil unseres Blogs „Slow to hire, quick to fire“ (Teil 1) mit den dahinter stehenden Überlegungen des…

  • „Slow to hire, quick to fire“: Die kommende Runderneuerungsstrategie des HRM für unsichere Zeiten?! (Teil 1)

    In den letzten Monaten haben zahlreiche Unternehmen in Deutschland Schlagzeilen gemacht, indem sie entweder Mitarbeiter entlassen oder Einstellungsstopps verhängt haben. (siehe auch unsere Blogs „Von smart bis hart (Teil 1 & 2)“, „Back to the…

  • Künstliche Intelligenz im Recruiting: Revolution oder Risiko?

    Künstliche Intelligenz (KI) – das große Hype Thema der letzten Monate. Nicht nur in Tech-Kreisen, sondern auch in der deutschen Personalabteilung ist KI nicht mehr wegzudenken. Und das aus gutem Grund, denn KI verspricht, Prozesse zu verbessern und…