Executive Search: Wie arbeiten Headhunter?

Autor: Michael Knörzer

Veröffentlicht: Zuletzt aktualisiert:

Allgemein, Personal & Führung

4 Min. Lesezeit
Executive Search: Wie arbeiten Headhunter?

Executive SearchDirect SearchDirektsucheDirektansprache. Im Fachjargon von Personalberatern, die auch als Headhunter bezeichnet werden, sind das alltägliche Begriffe, die häufig synonym benutzt werden. Doch was genau verbirgt sich dahinter?  Was ist die Bedeutung von Executive Search?

Executive Search: Eine Definition

Executive Search oder auch Direct Search, hinter diesen Anglizismen verbirgt sich nichts anderes als die Direktsuche und Direktansprache von Kandidaten, zu der Personalberater von Unternehmen beauftragt werden, die händeringend nach Talenten für vakante Stellen suchen.

Der Auftrag an einen externen Personalbeschaffungsdienstleister kann auf verschiedene Gründe zurückgeführt werden:

  1. Die HR Abteilung des Auftraggebers verfügt nicht über die nötigen Ressourcen, um die Talentsuche eigenständig bewältigen zu können und lagert sie an einen unabhängigen Experten aus.
  2. Der Arbeitgeber sucht nach Talenten, die so schwer auffindbar sind, dass er auf die Hilfe eines spezialisierten Recruiting Experten angewiesen ist.

In Zeiten des grassierenden Fachkräftemangels kommt Punkt Nummer zwei immer häufiger vor. Vor allem auf der Suche nach Top-Führungskräften, die fest in Lohn und Brot stehen und von sich aus nicht unbedingt auf eine ausgeschriebene Stellenanzeige reagieren würden, verlassen sich Unternehmen immer häufiger auf externe Hilfe.

Denn in diesem Bereich bedarf es schon ein bisschen mehr Fleiß, um an diese rare Spezies heranzukommen. Ähnlich verhält es sich mit der Suche nach ungewöhnlichen Spezialisten, von denen es auf dem Arbeitsmarkt nicht viele gibt und für die auch eine Suche im Ausland unternommen werden muss.

Auswahl des Personalberaters: Worauf kommt es an?

Für Arbeitgeber, die auf der Suche nach Talenten sind und sich in dieser Angelegenheit von einem Personalberater unterstützen lassen wollen, lohnt sich der Blick auf dessen Homepage und ein erstes Vorabgespräch. Firmen sollten Personalberater erst beauftragen, nachdem sie sich intensiv mit ihrem Dienstleistungsportfolio auseinander gesetzt haben.

Auch der Blick auf die Referenzen oder der Anruf bei einem ehemaligen Klienten schadet nicht. Immerhin können sich Arbeitgeber dann auch wirklich sicher sein, dass die Rekrutierung ihrer Top-Führungskräfte in guten Händen ist.

Hinzu kommt, dass sich viele Personalberater inzwischen auf Spezialbereiche wie IT RecruitingLife Science RecruitingSAP Recruiting oder Finance Recruiting spezialisiert haben. Das macht auch durchaus Sinn, denn je nach dem gesuchten Spezialgebiet müssen unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Suche nach Talenten gewählt werden.

Die Suche in Lebenslaufdatenbanken oder auf Business Netzwerken wie Xing oder LinkedIN bringt zwar meist bereits erste Treffer. Doch die Executive Recruiter verfeinern ihre Methoden kontinuierlich.

Stichwort: People Analitycs. Zum Beispiel gibt es inzwischen smarte Technologien, die aus dem öffentlich verfügbaren Datenwust im WWW passgenaue Talente herausfischen, die exakt zu einem ausgeschriebenes Profil passen. Viele Headhunter entwickeln in diesem Bereich sogar ihre eigenen Tools und verfügen somit über fundiertes Spezialwissen im Executive Recruitment.

So entstand Executive Search

Executive Search ist keine neue Dienstleistung. Entwickelt wurde die Direktsuche nach Talenten bereits in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs in den USA Anfang der 50er Jahre. In Deutschland gab es wenig später ebenfalls erste Executive Search Consultants, wie sich die Personalbeschaffungsspezialisten ebenfalls nennen.

Inzwischen hat sich das Headhunting oder die Executive Search Personalberatung zu einer Branche etabliert, die aktuell einen wahren Boom erlebt. So stieg der Gesamtumsatz der Branche im Jahr 2015 auf ein neues Allzeithoch von 27,0 Milliarden Euro. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von sieben Prozent, wie der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) konstatiert.

Executive Headhunter: Branche im Aufwind

Als Treiber der Branchenkonjunktur wirkt die digitale Transformation, durch die alle Geschäftsmodelle der Firmen auf den Prüfstand stehen. Die Unternehmensberater unterstützen ihre Klienten dabei, die notwendigen personellen Anpassungen durchzuführen.

Diese Entwicklung geht nach Einschätzung der Marktteilnehmer so weiter. 84 Prozent erwarten, dass sich Beratungs-Portfolio, Geschäftsmodelle und Prozesse der Beratungsunternehmen im Zuge der Digitalisierung in den kommenden Jahren stark ändern werden.

79 Prozent können sich weiterhin vorstellen, dass in enger Zusammenarbeit mit etablierten Software-Anbietern neue Lösungsansätze zu den Themen „Daten, Analyse, Business Intelligence und Cloud“ entstehen.

So funktioniert Executive Search

Soweit, so gut. Aber wie arbeiten Headhunter konkret? Der klassische Ablauf gestaltet sich wie folgt: Zunächst wird ein Personalberatungs-Unternehmen von einem Arbeitgeber, der neue Talente sucht, beauftragt, nach High Potentials mit einem bestimmten Erfahrungs- und Branchenprofil zu forschen.

Dazu gibt der Klient dem Personalberater ein möglichst sorgfältig ausgearbeitetes Wunschprofil an die Hand, nach dem der Headhunter seine Suche ausrichtet. Manchmal hat der Kunde sogar bereits bestimmte Personen im Auge oder ein bestimmtes Unternehmen, in dem seines Erachtens Professionals arbeiten, die optimal in seine Firma und Branche passen. Auch diese Informationen sollte er dem Personalberater so detailliert wie möglich zur Verfügung stellen.

Headhunter gehen nach Liste vor

Im nächsten Schritt erstellt der Headhunter eine Liste so genannter Zielunternehmen, in denen er potenzielle Kandidaten vermutet. Über seine Recherchetools macht der Personalberater dann gezielt die Personen aus, die konkret für die vakante Stelle infrage kommen. Daraufhin spricht er diese der Reihe nach an. Telefonisch oder per E-Mail, je nachdem, über welche Kontaktdaten er verfügt.

Das erste Kennenlernen

Bei Eignung und Interesse eines Kandidaten kommt im Anschluss an den ersten informellen Informationsaustausch ein persönliches Gespräch, das so genannte Jobinterview, mit dem Kandidaten zustande. Das Ergebnis fasst der Headhunter für seinen Auftraggeber in einem vertraulichen Bericht, dem so genannten personal paper oder candidate letter zusammen.

Äußert der Arbeitgeber an einem bestimmten Kandidaten ein tiefer gehendes Interesse, kommt es zu einem weiteren persönlichen Treffen. Dieses Mal ist der Arbeitgeber anwesend. Darin einigen sich Kandidat und Arbeitgeber über eine mögliche Zusammenarbeit und es kommt im Idealfall im weiteren Recruitingverlauf zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrages. Ein kompletter Suchprozess dauert in der Regel drei bis vier Monate.

  • Flow in der Arbeit durch digitalen Workflow

    Sicher nutzen Sie digitale Technologien im Job. Aber mal ganz ehrlich: Wirklich so konsequent wie es möglich wäre? Könnten Sie ihren Job nicht vielleicht doch ein bisschen besser machen? Und sich gleichzeitig nicht auch noch etwas besser dabei…

  • Prompt Engineering – Der Schlüssel zur effektiven Nutzung von KI

    In einer Welt, in der die Rede von Künstlicher Intelligenz (KI) und ihr Potenzial, unseren Arbeitsalltag zu revolutionieren, in aller Munde ist, wird es immer wichtiger effektiv mit diese kommunizieren zu können. KI-Technologien wie Chatbots, automatisierte Analysetools und…

  • Zwischen Fachkräftemangel und Einstellungsstopp – Erleben wir die Trendwende am Arbeitsmarkt? Wie sich Unternehmen vom Faktor „Arbeit“ emanzipieren!

    Im Herbst 2023 sorgte VW mit der Ankündigung eines Einstellungsstopps für Schlagzeilen. Grund: eine operative Umsatzrendite von nur etwas über 3% und eine Korrektur der Gewinnziele für dieses Jahr. Ob dies eine Rückkehr zur „Politik der mittleren Linie“…