Neue Arbeitswelten: Willkommen im Metaversum

Autor: Michael Knörzer

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Neue Arbeitswelten

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Neue Arbeitswelten: Willkommen im Metaversum

Wir stehen vor einer der fundamentalsten Umwälzungen unserer Zeit. Die Bündelung neuer Technologien wie Big Data, Künstlicher Intelligenz oder Cloud Computing wird in einer  gänzlich neuen Arbeitswelt münden. In dieser wird das Metaversum ein fester Bestandteil sein. Was das ist und welche Auswirkungen es auf das Human Resources Management haben wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist das Metaversum? Eine Definition.

Um zu verdeutlichen, was das Metaversum ist, beamen wir uns einfach mal an einen typischen Arbeitsplatz in nicht allzu ferner Zukunft. Sagen wir – ins Jahr 2023. Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens auf, laufen eine Runde im Central Park. Frisch geduscht nehmen Sie an einem Meeting mit Kollegen aus der ganzen Welt teil. In einem Konferenzraum, den Sie sich nicht schöner vorstellen könnten. Die überdimensionale Fensterfront gibt auf der einen Seite den Blick aufs Meer frei, auf der anderen Seite sehen sie die Skyline von Manhattan.

In der Mittagspause lunchen Sie mit ihrem Lieblingskollegen in einer stylischen Kantine, dann geht es weiter ins nächste Meeting. Wenn Sie am Abend Ihre VR-Brille abnehmen, befinden Sie sich mit einem Schlag in einer ganz anderen Welt. Der Realität. Denn Sie haben soeben das Metaversum verlassen, Ihre virtuelle Parallelarbeitswelt.

Das Metaversum – Eine Arbeitswelt nach individuellem Geschmack 

„2021 gilt in der Forschungsliteratur als der Startschuss des Metaversums. Die Pandemie hat die Digitalisierung vieler Unternehmen massiv beschleunigt. Virtuelle Arbeit gehört inzwischen fest zum Alltag und bis wir so miteinander arbeiten, wie wir es gerade in unserem fiktiven Szenario beschrieben haben, dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein – relativ kurzer Zeit“, sagt Professor Michael Knörzer, Leiter des HR:LAB von APRIORI. Für die neue APRIORI Studie „Personalmanagement im METAVERSUM“ hat sich Knörzer intensiv mit der Arbeitswelt der nahen Zukunft auseinandergesetzt.

Künftig eröffnen sich Arbeitgebern dank der rein virtuellen Arbeit im Metaversum völlig neue Möglichkeiten der Kollaboration, prognostiziert Knörzer. „Diese reichen von der klassischen Fortführung des Geschäftsmodells in realen Welt bis hin zur völligen Transformation des Unternehmens ins Metaversum. Denkbar ist auch eine Kombination aus beidem, in der sich die Arbeit in der realen Welt und im Metaversum mischen.“

Daraus ergeben sich vor allem für das strategische Human Ressources Management (HRM)  neue Handlungsfelder. Diese stellen wir Ihnen in den folgenden Abschnitten genauer vor.

#1 NEUE LEADERSHIPMODELLE

Nehmen wir zum Beispiel das Thema Leadership: „Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Weisungsbefugnisse müssen in der virtuellen, der realen und der Mischwelt neu definiert werden“, sagt Professor Knörzer. „Virtuelle Arbeitnehmende müssen völlig anders geführt werden, als Personen, denen Leader zumindest immer mal wieder real begegnen.“ Es bedarf also unterschiedlicher Leadershipmodelle für die verschiedenen Arbeitswelten.

#2 DAS RECRUITING VERÄNDERT SICH 

Ebenso wird sich das Recruiting in der neuen Arbeitswelt verändern. Reine Remote-Worker bewegen sich ausschließlich auf virtuellen Kanälen und müssen im Recruiting anders angesprochen werden, als Mitarbeitende, die das Metaversum regelmäßig verlassen und auch in der realen Welt arbeiten.

Während virtuelle Arbeitnehmer ausschließlich über Businessnetzerke, Jobbörsen, Fachcommunities und völlig neue Online-Recruiting-Formate erreicht werden können, sind andere Jobsuchende auch auf Präsenzformaten wie Messen oder Kongressen vertreten.

Grundsätzlich ist aber absehbar, dass die Personalbeschaffung einfacher wird, da Unternehmen insbesondere Remote-Arbeitende weltweit rekrutieren können, da diese von überall ihrer Arbeit nachgehen können.

#3 SCHNELLERES ONBOARDING & INTENSIVERE MITARBEITERBINDUNG

Positiv ist auch: „Im Metaversum sind ein schnelleres Onboarding sowie passgenauere Personalentwicklung durch leichtere Individualisierung von Schulung und Trainings sowie Skaleneffekte bei standardisierten Lerninhalten denkbar“, sagt Michael Knörzer.

Allerdings bedarf es neuer Bindungsprogramme für Mitarbeitende im Metaversum. Wegen der fehlenden persönlichen Nähe zu Kollegen dürfte die Mitarbeiterbindung in dieser Gruppe schwächer ausgeprägt sein als in der realen Welt. Das verlangt nach anderen Anreizsystemen, um die Loyalität zu stärken.

#4 FLUKTUATIONSMANAGEMENT

In der virtuellen Welt wird aber dennoch nie die gleiche Bindung entstehen, wie in der realen. Das dürfte im Metaversum zu einer erhöhten Fluktuation führen. „HR wird sich also mit dem Thema Fluktuationsmanagement auseinandersetzen und sich auf eine Zeit vorbereiten müssen, in der häufige Jobwechsel zum Standard gehören“, sagt Professor Knörzer. „Gut möglich, dass Arbeitnehmende im Metaversum permanent von Job zu Job springen. Für Unternehmen bietet der flexiblere Arbeitsmarkt im Metaversum aber durchaus Vorteile. Zum Beispiel können Personaldecken je nach Bedarf sehr schnell auf- oder abgebaut werden, um so auf kurzfristige Marktschwankungen zu reagieren.“

Fazit

Die Arbeit im Metaversum wird die Zusammenarbeit vieler Teams fundamental verändern. „Ob letztlich das Metaversum der traditionelle Arbeitswelt in Effektivität und Effizienz überlegen sein wird, lässt sich zum heutigen Standpunkt nur vermuten“, sagt Professor Michael Knörzer. „Es gibt aber durchaus Gründe, die dafür sprechen. Voraussetzung ist aber, dass seitens HR mögliche Herausforderungen des Arbeitens im Metaversums erkannt und dafür völlig neue Personalmanagement-Konzepte geschaffen werden. Dann kann die Zukunft der Arbeit kommen.“

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